ANKOWITSCH AKTUELL
Kleine Ergänzung ...
30.01.2011
... zur aktuelle Kolumne im RedBulletin (Februar 2011)
Es geht darin um die Frage
"Wer bin ich bloß?"
Sollten Sie bisher geglaubt haben, das Leben Ihres Kolumnisten bestehe darin, ruhig am Schreibtisch zu sitzen, um in Zeitschriften, Büchern und im Internet nach neuen Erkenntnissen der Hirnforschung zu suchen, so haben Sie damit – vollkommen recht. Doch ab und zu begebe ich mich auch in Gefahr, um ein wenig Feldforschung zu betreiben. Wie zum Beispiel vor rund einem Jahr. Damals besorgte ich mir eine Pilotenbrille mit breiten, goldenen Bügeln, eine goldene Kette mit einem sehr großen Dollarzeichen dran, ein dunkles Hemd, enge Hosen und eine Tube mit dem Zeug, das sich manche Männer in die Haare tun, damit diese ölig aussehen und sich an den Kopf kleben lassen.
Dann zog ich alles an, gelte mir das Haupthaar nach hinten und ging auf das Faschingsfest eines Kollegen, das unter dem Motto „reich und schmutzig“ stand*. Was soll ich sagen? Kaum betrat ich – neu eingekleidet – den Ort des Geschehens, musste ich zu meiner eigenen Überraschung feststellen, dass ich mich genau so benahm, wie sich das für den Träger einer goldenen Brille und Kette gehörte. Mein Auftritt lässt sich recht einfach beschreiben und zwar mit den Begriffen „machistisch“, „arrogant“, „anmassend“ und „angeberisch“. Erstaunt sah ich mir dabei zu, wie ich eine Rolle spielte, die mir in diesem Moment nicht nur gefiel, sondern die mir auch leichter fiel als gedacht.
Noch viel überraschter war ich darüber, dass die anderen auf mein neues Styling überaus positiv reagierten, so dass ich kurz überlegte, mir ein neues Styling zuzulegen – bis mir auffiel, dass ich vor allem mit Frauen in Strapsen bzw. Polizeiuniformen und Männern in wallenden Kaftans bzw. Mafiaanzügen sprach, die sich ihrerseits ebenso stilecht verhielten wie ich. Womit wir das dröhnende Fest verlassen und an den Schreibtisch zurückkehren wollen, um dort den Kopf in die Hände zu legen: Wie kann eine affige Goldbrille uns so nachhaltig verändern?
Dafür gibt es einige Gründe. Einen davon haben wir in einer der vorangegangenen Kolumnen kennen gelernt. Darin ging es um das Phänomen, dass unser Körper einen ungleich grösseren Einfluss auf unser Denken hat, als wir gerne glauben. So bestimmt unsere Haltung, was wir wahrnehmen und wie wir uns fühlen. So ist es weiter nicht verwunderlich, dass bestimmte Kleidungsstücke uns verwandeln können, weil sie uns anders auftreten lassen.
Ein anderer Grund liegt in der Besonderheit des Faschings. Der bietet uns nämlich eine einmalige Gelegenheit: Unsere geheimsten Phantasien auszuleben bzw. in fremde Identitäten zu schlüpfen – und zwar ohne deshalb schief angesehen zu werden. Wer etwa als Mann immer schon einmal wissen wollte, wie man sich als Frau fühlt, hat in diesen Wochen die Chance, es einmal auszuprobieren. Frauen wiederum, die es sich in ihrem Alltag nicht gestatten, als Vamp oder Naive aufzutreten, können einen Abend lang in diese Rolle schlüpfen. Ja – wir haben im Fasching sogar die Erlaubnis, uns in jene Figuren zu verwandeln, die uns unsympathisch oder unheimlich sind, vom glubschäugigen Monster bis hin zum Ganoven. Der springende Punkt daran: Wir erleben hautnah, wie sich diese Rollen anfühlen und ob wir einem Leben als goldbebrillter Macho überhaupt gewachsen wären.
Gibt es also eine Rolle, die Sie gerne einmal ausprobieren würden – der Fasching ist die beste Zeit dafür. Wenn Sie beispielsweise wissen wollen, wie man sich als Kolumnist so fühlt, besorgen Sie sich ein paar Ärmelschoner, eine Strickweste – keine Angst, spätestens am Aschermittwoch ist es mit dem Spuk vorbei. Dann dürfen Sie wieder Ihre Goldbrille aufsetzen und ganz Sie selber sein.
* Wer sehen will, wie sich Menschen verwandeln, die solche Outfits tragen, kann das auf meiner Homepage tun: www.ankowitsch.de
Es geht darin um die Frage
"Wer bin ich bloß?"
Sollten Sie bisher geglaubt haben, das Leben Ihres Kolumnisten bestehe darin, ruhig am Schreibtisch zu sitzen, um in Zeitschriften, Büchern und im Internet nach neuen Erkenntnissen der Hirnforschung zu suchen, so haben Sie damit – vollkommen recht. Doch ab und zu begebe ich mich auch in Gefahr, um ein wenig Feldforschung zu betreiben. Wie zum Beispiel vor rund einem Jahr. Damals besorgte ich mir eine Pilotenbrille mit breiten, goldenen Bügeln, eine goldene Kette mit einem sehr großen Dollarzeichen dran, ein dunkles Hemd, enge Hosen und eine Tube mit dem Zeug, das sich manche Männer in die Haare tun, damit diese ölig aussehen und sich an den Kopf kleben lassen.
Dann zog ich alles an, gelte mir das Haupthaar nach hinten und ging auf das Faschingsfest eines Kollegen, das unter dem Motto „reich und schmutzig“ stand*. Was soll ich sagen? Kaum betrat ich – neu eingekleidet – den Ort des Geschehens, musste ich zu meiner eigenen Überraschung feststellen, dass ich mich genau so benahm, wie sich das für den Träger einer goldenen Brille und Kette gehörte. Mein Auftritt lässt sich recht einfach beschreiben und zwar mit den Begriffen „machistisch“, „arrogant“, „anmassend“ und „angeberisch“. Erstaunt sah ich mir dabei zu, wie ich eine Rolle spielte, die mir in diesem Moment nicht nur gefiel, sondern die mir auch leichter fiel als gedacht.
Noch viel überraschter war ich darüber, dass die anderen auf mein neues Styling überaus positiv reagierten, so dass ich kurz überlegte, mir ein neues Styling zuzulegen – bis mir auffiel, dass ich vor allem mit Frauen in Strapsen bzw. Polizeiuniformen und Männern in wallenden Kaftans bzw. Mafiaanzügen sprach, die sich ihrerseits ebenso stilecht verhielten wie ich. Womit wir das dröhnende Fest verlassen und an den Schreibtisch zurückkehren wollen, um dort den Kopf in die Hände zu legen: Wie kann eine affige Goldbrille uns so nachhaltig verändern?
Dafür gibt es einige Gründe. Einen davon haben wir in einer der vorangegangenen Kolumnen kennen gelernt. Darin ging es um das Phänomen, dass unser Körper einen ungleich grösseren Einfluss auf unser Denken hat, als wir gerne glauben. So bestimmt unsere Haltung, was wir wahrnehmen und wie wir uns fühlen. So ist es weiter nicht verwunderlich, dass bestimmte Kleidungsstücke uns verwandeln können, weil sie uns anders auftreten lassen.
Ein anderer Grund liegt in der Besonderheit des Faschings. Der bietet uns nämlich eine einmalige Gelegenheit: Unsere geheimsten Phantasien auszuleben bzw. in fremde Identitäten zu schlüpfen – und zwar ohne deshalb schief angesehen zu werden. Wer etwa als Mann immer schon einmal wissen wollte, wie man sich als Frau fühlt, hat in diesen Wochen die Chance, es einmal auszuprobieren. Frauen wiederum, die es sich in ihrem Alltag nicht gestatten, als Vamp oder Naive aufzutreten, können einen Abend lang in diese Rolle schlüpfen. Ja – wir haben im Fasching sogar die Erlaubnis, uns in jene Figuren zu verwandeln, die uns unsympathisch oder unheimlich sind, vom glubschäugigen Monster bis hin zum Ganoven. Der springende Punkt daran: Wir erleben hautnah, wie sich diese Rollen anfühlen und ob wir einem Leben als goldbebrillter Macho überhaupt gewachsen wären.
Gibt es also eine Rolle, die Sie gerne einmal ausprobieren würden – der Fasching ist die beste Zeit dafür. Wenn Sie beispielsweise wissen wollen, wie man sich als Kolumnist so fühlt, besorgen Sie sich ein paar Ärmelschoner, eine Strickweste – keine Angst, spätestens am Aschermittwoch ist es mit dem Spuk vorbei. Dann dürfen Sie wieder Ihre Goldbrille aufsetzen und ganz Sie selber sein.
* Wer sehen will, wie sich Menschen verwandeln, die solche Outfits tragen, kann das auf meiner Homepage tun: www.ankowitsch.de
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- 14.5.2012 | 18:05Wohin soll man sich als Autor wenden, wenn man sich nach Vernunft sehnt? Hie das blöde Autoren-Manifest? Da bescheuerte Anonymous? Hilfe!
- 14.5.2012 | 11:05Je länger ich über wir-sind-die-urheber.de nachdenke, umso mehr könnte ich schreien über diesen Kollegen-Schwachsinn. #Selbstabschaffung
- 14.5.2012 | 11:05Erst jetzt entdeckt: Ein lesenswerter Text einer Kollegin. t.co/DLsdEHEa
- 14.5.2012 | 10:05Eine Frage in die Runde: Was erzählt uns der Umstand, dass Anonymous die privaten Daten der Unterzeichner des... t.co/n8toBbZ7