Interview zu les.art

10.03.2011

ORF: Christian Ankowitsch moderiert “les.art”

Der Autor Christian Ankowitsch im Interview mit der “Presse”: Er moderiert ab Montag, den 14. März 2011, die Late-Night-Büchersendung. Er will im Wiener Café “phil” “die Gäste zum Glänzen bringen” – “mitunter auch befreundete.”

Die Presse: Sie sind Experte für Ratschläge. Wie würde die Handlungsanleitung ?So moderieren Sie eine Büchersendung? an Sie selbst lauten?

Christian Ankowitsch: Man sollte nicht vergessen, dass es um die Autoren und ihre Bücher geht. Und man sollte wohl tunlichst gelesen haben, worüber geredet wird und sich einigermaßen kluge Fragen vorbereitet haben. Der Präsentator einer solchen Sendung sollte moderierend eingreifen und eine freundliche, wohlwollende und möglichst an den Dingen interessierte Tapete bilden. Er ist der Hausherr, der versucht, seine Gäste zum Glänzen zu bringen.

Moderator einer Büchersendung sein ? stand das auf Ihrer beruflichen To-do-Liste?

Explizit auf das hingearbeitet habe ich nicht. Ich wollte schon einmal dringender ins Fernsehen und etwas moderieren, habe es zum Teil auch gemacht. Aber ich habe mich sehr über die Zusage gefreut.

Werden Sie etwas an der ?les.art? ändern?

Da überschätzen Sie mich jetzt. Ich bin nicht der Konzeptionist der Sendung, das ist die Kulturredaktion des ORF. Die hat ein eingeführtes Programm, ein Minderheitenprogramm, aber eines, das gut funktioniert, wie es ist. Es wird nur der Ort geändert, die Sendung übersiedelt ins ?phil? (ein Lokal in der Gumpendorfer Straße; Anm.).

Das passt zu Ihnen als Wahlberliner. In Wien gilt das ?phil? als der berlinerischste Ort der Stadt.

Das stimmt. Das ?phil? könnte auch in Berlin-Mitte sein. Hier weiß man nicht, ob die hinter dem Tresen Gäste sind oder die, die den Kaffee produzieren.

Apropos Wien/Berlin. Sie leben seit 1993 in Deutschland, wollten Sie jemals zurück?

Immer wieder, ja. Denn es gibt durchaus ein paar Dinge, die die beiden Städte unterscheiden. Berlin kann zum Beispiel um einiges ungemütlicher sein als Wien. Berlin ist eine wunderbare Stadt, wenn es einem gut geht. Wenn man aber eine Atmosphäre braucht, die einen auch ein bisschen anlügt, dann ist Wien besser.

Wieso war das ?Literarische Quartett? so erfolgreich und konnte ihm danach keine andere Sendung in dem Segment das Wasser reichen?

Das ?Literarische Quartett? war ja eine Sendung von Charakterköpfen, denen man ihr Engagement für Literatur jede Sekunde angemerkt hat. Keiner der drei war eine von diesen Fernsehschönheiten, keiner der drei war diplomatisch, und keiner hat ständig versucht, toll rüberzukommen. Es ging ihnen um Literatur und darum, ihr Verständnis von guter Literatur durchzusetzen. Wunderbar. Eine andere Person, die das auch sehr gut verkörperte, ist Elke Heidenreich.

Das heißt: Je schrulliger desto besser?

Wenn man spürt, dass es jemand ernst mit seinem Thema meint, dann kann der ruhig ein bisschen lispeln, wie der Reich-Ranicki. Es erfordert Mut, so eine Sendung ohne Rücksicht auf Verluste zu machen. Mein Job ist das aber nicht. Ich bin jemand, der ab 23Uhr in einer verbindlichen, freundlichen und interessierten Art mit Leuten über Bücher redet ? und keine Angst davor hat, dass das nicht wirken kann. ?les.art? ist keine kritische Sendung. Es ist ein Wohnzimmer, in dem wir erklären, was wir für gut halten.

Bisher ließ die Sendung Literaturinteressierte immer hungrig zurück.

Weil so vieles kurz angerissen wurde? Also, für die nächste Sendung sind drei Interviews mit drei Autoren geplant. Die Gespräche dauern zehn Minuten, das ist für das Fernsehen schon recht lang. Es kommen mehr die Autoren und die Texte selbst zu Wort. Wenn man lieber anderen dabei zuschaut, wie sie sich die Köpfe einschlagen, muss man ein anderes Format suchen.

Wieso geben Sie anderen Menschen so gerne Ratschläge in Ihren Büchern?

Das ist so nicht geplant gewesen. Ich habe mich zu lange in diese reine Ratgeberliteratur schieben lassen. Ich bin jetzt bei Rowohlt Berlin gelandet, wo sich ein ganz wunderbarer Lektor zum ersten Mal dafür interessiert, wie es mit mir als Autor weitergeht. Deswegen schreibe ich jetzt ein klassisches erzählendes Sachbuch, ganz ohne Ratschläge.

Sie kennen viele österreichische Autoren und Journalisten: Was, wenn die zu Gast sein werden?

Das ist eine gute Frage. Aber so viele kenne ich auch wieder nicht. Mit Franz Schuh und Doris Knecht bin ich befreundet, und mit Doron Rabinovici. Also wenn die drei auftauchen, muss man genau hinschauen, was ich mache. Aber ernsthaft: Ich müsste dann mit der Redaktion reden, wie wir das transparent machen, weil ich nicht so tun kann, als ob das Fremde wären. Aber generell habe ich ja auf die Auswahl der Bücher keinen Einfluss.

Das Gespräch führte Anna-Maria Wallner

“Die Presse”, Wien, Print-Ausgabe, 10.03.2011

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