Beate Wedekind: »Nein«

20.10.2013

Name: Beate Wedekind

Job: Chefredakteurin »TheNewAfrica«, Journalistin, TV-Produzentin, Startup-Unternehmerin

Geboren: 1951

In: Duisburg / D

Lebt in: Berlin, Sant Mateu/Ibiza, Addis Abeba und auf Reisen

Dauer des Gesprächs: ca. 10 Minuten, B.W. antwortete per Facebook und zwar sehr schnell

Kommendes Buch: Autobiographie, Arbeitstitel »Vernünftig war ich nie« (BW: »Der Titel gefällt mir aber noch nicht so richtig. Ich bastle gerade an was Knackigerem: ?Schwatz? oder ?Neugier trifft Unvernunft?, das Manuskript ist lange überfällig.«), Piper, Sommer/Herbst 2014

Twitteraccounts: @thenewafrica (täglich zwei bis drei Tweets) und @wwwedekind (letzter Tweet vom März 2010)

Homepage: www.thenewafrica.info

Facebook: facebook.com/beate.wedekind (täglich 5 bis 10 Posts, 5.000 Freunde, plus 4.500 in verschiedenen Gruppen, plus 992 Subscriber)

Lesezeit für dieses Gespräch: 4 min

Fragen: Christian Ankowitsch

Foto: Rodrigo Monreal

Ankowitsch: Kaffee oder Kaffee?

Wedekind: »Bunna«, äthiopischer Kaffee. Gottseidank vermehrt und in guter Qualität auch in Deutschland zu haben.

Milch?

Schwarz!

Wofür lohnt es sich, sehr früh aufzustehen?

Für diese berühmte Stunde nur für mich allein, im Morgenmantel. Zeitung lesen, den ersten Kaffee trinken. Kein Telefon, kein Internet. Nur das Rascheln der Zeitung (zuerst »Tagesspiegel«, dann »Bild«, dann »Süddeutsche«, dann online »FAZ«, »Welt«, »The Guardian«, »New York Times«), der Kaffee und ich.

Im Zug: in Fahrtrichtung oder mit dem Rücken dazu?

In Fahrtrichtung. Hab gern, wenn der Wind mir ins Gesicht weht.

Von welchem Weg sind Sie am glücklichsten, ihn nicht eingeschlagen zu haben: Fondsmanagerin oder Chef-Stewardess?

Von beiden. Aber in die Metiers reinzuschnüffeln war richtig. Ist doch gut zu wissen, was man nicht fürs Glück braucht. Der Mammon und das Reisen sind natürlich wichtig geblieben.

Warum?

Meine Passion ist Neugier. Und die konnte ich weder in der Bank als Schaltermaus noch in den Lüften als Servicekraft befriedigen.

Schon mal deprimierendere Zeiten für Journalisten erlebt als die aktuellen?

Nein.

Woran liegts?

Ich habe das Gefühl, dass journalistische Originalität nicht mehr so geschätzt wird, wie sie sollte. Ich persönlich kann mich allerdings nicht beschweren, weil ich nur noch ganz gezielt als Autorin arbeite, indem ich erstens mit Leidenschaft meiner Mitteilungssucht auf Facebook fröne und zweitens mir mein »eigenes« Medium geschaffen habe, die Plattform »TheNewAfrica«, wo ich mich mit den Themen, die mir relevant erscheinen, austoben kann – wenn ich möchte.

Die schönste Anekdote aus Ihrer Zeit als Lokaljournalistin beim Berliner »Der Abend«?

Na ja, als schön kann man diese Episode nicht bezeichnen, aber es war ein Erlebnis der besonderen Art. Ich war 29 und schon mit allen Wassern gewaschen, als ich 1980 beim »Abend« volontierte. Irgendwie war ich Mädchen für alles. Eines Morgens beauftragte mich der damalige Verleger Hossein Sabet zum Inhaber der Druckerei zu gehen, um die Druckkosten, die der stets im voraus haben wollte, in Münzen zu bezahlen. Es war ein ganzer schwerer Korb voll. Der Mann war perplex und ich grinste über beide Ohren. Von Sabet, einem unerschrockenen, wahren Tausendsassa als Unternehmer, habe ich viel gelernt damals und tue das noch heute. Wir sind Freunde geworden und geblieben, seit mehr als 30 Jahren.

Der beste eigene Einstiegssatz in einen Text?

Kann mich nicht erinnern. Aber der erste Satz meiner Autobiographie, die ich gerade fertig schreibe, lautet: »Meine kleine patschige Hand gräbt sich tief hinein in den Ritz zwischen den mächtigen warmen weichen Brüsten meiner Großmutter, auf der Suche nach diesem Tüchlein.«

Wo und wann geschrieben?

Auf Ibiza, im Sommer 2013, mit Tränen in den Augen, der Duft von »Tosca« stieg mir sofort aus dem Gedächtnis hoch in die Nase und ins Gemüt.

Das Überraschendste daran, mächtig zu sein?

Zu spüren, dass Leute von dir die Ausübung von Macht erwarten, wenn du in einer gewissen hierarchischen Position bist.

Und das Verlockendste daran?

Die letzte Entscheidungsmöglichkeit zu haben. Verantwortung zu tragen, auch für Fehlentscheidungen.

In welchem Moment vor Ihrem Burnout haben Sie realisiert, dass Sie ein Problem bekommen?

Als ich die Tür zu meinem Chefredakteurszimmer schloß, weil ich es nicht mehr ertragen konnte, zu hören, was in meinem Vorzimmer geredet wurde. Ich erinnere mich sogar noch an den Satz, den meine Sekretärin zu einer Redakteurin sagte: »Jetzt lasst die Beate doch mal in Ruhe!« Ich setzte mich hinter meinen Schreibtisch und schluchzte. Ich war dem permanenten Druck nicht mehr gewachsen ? ich war damals fünffache Chefredakteurin (»Bunte«, »Elle«, »Elle Decoration«, »Ambiente«, »Pan Spezial«), hatte eine wöchentliche Fernsehtalkshow und produzierte die »Bambi«-Verleihung. Wochen später stellte der Arzt eine Schilddrüsenüberfunktion fest, eine von lebensgefährlichen Ausmassen. Zeichen eines Burn Out-Syndroms, damals, 1993, hieß das schlicht Überarbeitung.

Noch ein paar Rechnungen offen?

Ja. Zwei. Die dritte hat sich erledigt, die Person ist mittlerweile gestorben.

Welcher Promi, von dem Sie es wirklich nicht erwartet haben, hat sich als Freund herausgestellt?

Julio Iglesias, der Troubadour. Kenne ihn seit 1982, habe ihn in den vergangenen Jahre zwar selten gesehen, aber wenn, dann glucken wir zusammen und reden über Gott und die Welt, die Frauen vor allem. Und er nennt mich bei dem Spitznamen, den er mir mal verpaßt hat: »Cabrona«, was positiv ausgedrückt »raffiniertes Stück« bedeutet.

Worauf in Afrika sollten wir am genauesten sehen? Warum?

Auf all die gut ausgebildeten, ehrgeizigen jungen Leute, die ihre Gesellschaft, ihr Land, ihren Kontinent selbst vorwärts bringen wollen.

Das bescheuertste europäische Stereotyp in Sachen Afrika?

Die schaffen das nie ohne uns.

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